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Hampi – Karnataka (Mystisch)

25 Apr

GemütlichGegen 21:00 Uhr ging es dann wirklich los. Der Bus war ein sogenannter Sleeperbus und war mit kleinen Schlafabteilen ausgestattet. Unseres hatte ca. 180cm x 100cm und war wirklich für zwei Personen vorgesehen. Während einer Reifenpanne wurden wir von ein paar lustigen indischen Mitreisenden zum vorgemischten Whiskey-Cola auf der Straße eingeladen. Erstaunlich wie die Inder aus jeder Situation das Beste machen. Enjoy your life ist ihr Motto in allen Lebenslagen. Viel Alkohol haben die drei aber nicht vertragen. Nach ein paar Minuten wurden sie so albern, dass ich ganz froh war einen Sleeper weit vorne zu haben und ihre ganz hinten waren. Nachdem die Sonne aufging gab es unterwegs einiges zu sehen. Indien erwachte. Man konnte beobachten wie sich Leute wuschen, auf den Weg zur Arbeit machten und ihre Läden öffneten. Bis plötzlich wie auf Kommando überall auf den Feldern, Wegen und hinter Büschen Leute ihre Notdurft verrichteten – einige Minuten sind wir nur an schei… Indern vorbei gefahren.

FlussZiemlich gerädert mit nur einer Reifenpanne in Hampi angekommen, kamen wir kaum an unser Gepäck vor lauter Tucktuckfahrern die uns unbedingt ins Zentrum bringen wollten um uns dort ein Zimmer zu vermitteln. Zum Glück sind die Dresdnerin Sophia die wir im Bus kennengelernt haben, Marco und ich die kurze Strecke zwischen den Tempeln hindurch gelaufen und haben uns das Geld fürs Tucktuck gespart. Es war nicht weit und die Tucktucks mussten einen Umweg fahren, sodass wir noch vor ihnen im Zentrum angekommen sind. Nach ca. einer Stunde hatte ich ein schönes Zimmer mit Blick auf den Fluß und die riesigen Felsbrocken. Die Riesenfelsen liegen hier fast überall herum. Dazwischen befinden sich unzählige kleine und einige richtig große Tempel. Hampi hat wirklich etwas magisches an sich. Mittags waren wir im heiligen Fluß baden um uns ein wenig abzukühlen.

TempelDen Tag darauf bin ich zur Polizei um mich dort zu registrieren. Nach den Anschlägen in Taj Mahal Hotel wurden einige neue Sicherheitsbestimmungen eingeführt. Unter anderem nimmt seit dem ein Hotelangestellter persönliche Daten der Gäste auf und bringt diese inklusive Reisepasskopie zur Polizei. Falls der Ausländer vermisst wird kann die Polizei so ganz einfach prüfen wo er sich zum letzten mal aufgehalten hat. In Hampi muß der Touri selbst zur Polizeistation um seine Daten in einem großen Buch zu hinterlegen.

Mittags haben wir eine wegen der Hitze ziemlich anstrengende aber sich lohnende Tempeltour gemacht. Die hinduistischen Tempel in dieser skurilen Felslandschaft sind überwältigend. Hohe Mauern gebaut aus riesigen passgenauen Felsbrocken ähnlich wie die der Inkas dienten zum Schutz von Palästen und Tempeln.

Noch n Tempel - diesmal von innenIn einem Tempel hatte sich Wasser am Boden gesammelt in dem die schräg einfallenden Sonnenstrahlen auf die innen liegenden Säulen reflektiert wurden. Ein faszinierendes Lichtspiel. Außerhalb des Tempels habe ich auf der Rückseite etwas weiter oben ein Loch entdeckt. Ich bin in den Tempel geklettert und Sophia ist mir kurz danach gefolgt. Einige Meter habe ich gebraucht bis ich erkennen konnte, dass an der Decke massenweise Fledermäuse hingen, die sich bei den leisesten Geräuschen von der Decke lösten und fast lautlos über unseren Köpfen durch die Dunkelheit flatterten.

Jeden Meter tiefer in den Tempel hinein, hätte man erwarten können, dass sich indianerjoneslike eine Falltür öffnet, Spieße aus den Wänden schießen oder anrollende Felsbrocken den Rückweg versperren. Obwohl nichts dergleichen passiert ist war die Atmosphäre grandios.

DangerSophia und ich haben uns nach der Tempeltour noch vorbei an verschiedenen no way, danger und don’t go Schildern zum Wasserfall vorgearbeitet. Mit jedem Verbotschild stieg mein Respekt vor dem Wasserfall ein wenig obwohl ich irgendwo gelesen hatte, dass die Wasserfälle eigentlich nur während des Monsuns richtig viel Wasser führen. Vorbei an trichterförmigen Spinnennetzen sind wir einem Elefantentrampelpfad durch den Bananenhein bis zu einem kleinen Bach gefolgt. Dort angekommen dachte ich schon das wir am Ziel wären. Dem war aber nicht so. Wir waren gerade dabei den Bach zu überqueren als uns ein Einheimischer begegnete den wir nach dem Wasserfall fragten. Er wies uns an den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und begleitete uns eine Weile. Einige Minuten später befanden wir uns mitten im Wasserfall.

WasserfallWährend des Monsuns war das ganze Gebiet ein reißender Strom. Jetzt war das Ganze eine vom Wasser geschaffene fast surreale Felslandschaft. Man könnte denken auf einem fremden Planeten oder auf einem Schweizer Käse spazieren zu gehen. Einige Löcher sind tiefer als man sehen kann, manche sind leer, manche mit Wasser gefüllt. Aus Einigen gibt es wegen der glatt geschliffenen Wände sicher kein entkommen falls man hineinrutscht. Im Zentrum befindet sich ein kleiner Canyon der ca. 6m unter uns Wasser führt. Angeblich sind hier schon einige Leute beim Baden gestorben weil sie die Strömungen des fast versiegten Stromes unterschätzt haben. Das wird wohl auch der Grund für die vielen Verbotsschilder sein.

Schweizer KäseAuf dem Rückweg ist uns ein Hund mit einem Skelett im Maul hinterhergerannt. Wir waren beide so kaputt und überwältigt von dem hinter uns liegenden Tag, daß wir Hund und Skelett zwar staunend aber doch irgendwie gleichgültig angesehen haben und Sophia fast emotionslos nur etwas wie “Guck mal der hat ein Kinderskelett im Maul” gesagt hat. Als der Hund uns erreicht hatte und anfing an dem mit Maden überzogenen Skelett rumzukauen konnten wir erkennen, dass es ein Affe und kein Menschenkind war. Mit einem Bild davon hätten wir ziemlich sicher trotzdem Preise gewonnen. Leider hatten wir beide im Laufe des ereignisreichen Tages unsere Digicamakkus leergeknippst und konnten nicht ein Bild davon schießen. Seit dem Tag habe ich immer einen Ersatzakku einstecken.

TempelwächterAn Sophias Abreisetag sind wir drei zum Vittalatempel gefahren. Er ist Hampis Highlight und gehört zum Weltkulturerbe. Alleine der Weg dort hin ist es wert die Kamera bis aufs letzte Byte voll zu knipsen.

Am nächsten morgen bin ich schon ziemlich früh aufgestanden und habe mein Frühstück in einem kleinen Dachrestaurant in der Nähe des Basars zu mir genommen. Ich hatte ein Continental Breakfast bestehend aus Toast mit Butter und Honig, Porridge und einen Café bestellt. Den Toast habe ich etwas genauer unter die Lupe genommen. Die vier aufeinander liegenden Scheiben wurden schon mit Butter bestrichen getoastet. Toasten bedeutet hier die Toastscheiben auf einer heißen Platte oder in der Bratpfanne zu rösten. Die unterste Scheibe war schwarz und die Oberen total latschig von der Butter. Um das Ganze abzurunden war die oberste Scheibe auch noch schimmelig. Nachdem ich den Toast zurück gegeben und einzeln getoastete Scheiben ohne Schimmel, unverkohlt und Butter separat bestellt habe wurde mir das wie gewünscht gebracht. Sie hatte etwas in den Augen das mir sagte, dass ich das ja gleich hätte sagen können. ;-)

FutterEigentlich war sie aber ganz nett. Nachdem ich mich ziemlich lange mit ihren Töchtern unterhalten habe wurde ich zum Mittagessen eingeladen. Ich habe mich riesig gefreut und das essen war richtig gut. Es war von ihrem eigenen Mittagessen und stand nicht auf der Karte. Wie erhofft war es etwas schärfer als die normal erhältlichen Gerichte, aber immernoch nicht das was ich von Indien erwartet habe. Ich habe von Leuten gehört, die in den ersten Tagen ihres Indienbesuchs fast nichts essen konnten und oder nicht mehr von der Schüssel runter gekommen sind weil alles so scharf war. Langsam glaube ich aber, dass es sich hierbei um ein Ammenmärchen handelt oder die Personen überhaupt keine Schärfe vertragen haben. Wer nicht wirklich extrem Schärfeempfindlich ist, muss sich vor indischem Essen nicht fürchten. ;-)

Super AussichtDen nächsten Tag ging es zum Hannumantempel auch Affentempel genannt. Der Tempel befand sich auf einem Berg und war nur über eine lange Treppe zu erreichen. Trotz Rückenschmerzen die ich mir wahrscheinlich vom glitschnaß verschwitzt unterm Ventilator liegen zugezogen habe war der anstrengende Aufstieg sagenhaft. Unbeschreiblich wie mit jeder erklommenen Stufe die Umgebung immer eindrucksvoller wurde. Oben angekommen wird man mit einem grandiosen Rundumblick und herumtollenden kleinen Äffchen belohnt. Der Tempel selbst war keine Sensation. Der Berg wäre ohne genauso eindrucksvoll gewesen.

Zwei Nussfans unter sichAuf dem Rückweg habe ich mir bei einer Straßenverkäuferin Erdnüsse gekauft die ich später mit auf meine Dachterrasse genommen habe um sie bei Sonnenuntergang zu knabbern. Scheinbar haben ein paar Affen mitbekommen, das wir im Affentempel waren und haben das als Essenseinladung angesehen. Jedenfalls sind sie erst wieder verschwunden als die Erdnüsse gefuttert waren.

Auf dem Weg zum Abendessen hatte ich noch mit Marco darüber gesprochen wegen der schlimmer werdenden Rückenschmerzen am nächsten Tag so früh wie möglich einen Ayurvedamasseur aufzusuchen. Auf dem Rückweg bin ich kurz stehen geblieben um ein paar Kühe und Hunde zu fotografieren die sich in der Nähe meiner Pension zum Schlafen gelegt haben. Während dessen gesellte sich ein Inder zu Marco und zeigte ihm wie man Kühe am Besten streichelt. Als er angefangen hat Marco davon zu erzählen, daß er mich zwei Tage zuvor unterwegs beobachtet hatte und er so begeistert von meiner positiven Ausstrahlung war, wurde ich hellhörig. Nachdem er meinte Marco könne froh sein einer meiner Freunde zu sein, da ich den Leuten in meiner Umgebung so viel Kraft geben kann wie kaum jemand den er bisher kennen gelernt hat, war mein Interesse geweckt und ich habe mein Kuhfotoshooting abgebrochen.

Indischer SchlankheitswahnNachdem er uns ein paar Indientipps und ein wenig Nachhilfe in Hinduismus gegeben hat und wir uns eigentlich schon verabschiedet hatten, habe ich ihn noch gefragt ob er zufällig einen guten Ayurvedamasseur für meinen Rücken kennt zu dem ich morgen früh gehen könnte. Er meinte daraufhin, dass er den Ayurvedasalon um die Ecke führt und wenn ich möchte könnte ich gleich noch für eine Massage vorbei kommen. Wenn das nicht Schicksal ist. ;-)

Die Massage war super. Danach haben wir uns noch recht lange unterhalten. Unter anderem hat er erzählt, daß er von einem blinden Masseur gelernt hat – auch von Problemen mit den Eltern und Freunden die nicht einsehen können, daß er unstandesgemäs eine dunkelhäutige Frau aus einer niederen Kaste geheiratet hat obwohl er der Königs bzw. Kriegerkaste angehört… Wie so oft wenn ich mich mit Indern unterhalte habe ich das Gefühl auf einer andere Welt zu sein. Bevor ich gegangen bin hatte er mir angeboten mich in Ayurvedamassage auszubilden. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und mich – da ich mir eh vorgenommen hatte in jedem Land das ich bereise etwas landesspezifisches zu lernen – für einen Kurs angemeldet.

HochzeitIn den nächsten Tagen habe ich verschiedene Techniken für Kopf-, Hand-, Arm-, Fuß-, Bein-, Bauch-, Rücken- und Ganzkörpermassagen gelernt. Zudem Massagen für Schwangere und Babys. Die letzte Disziplin waren Tantramassagen. Außerdem gab es einige Yoga und Meditationstechniken zu lernen die Kraft bringen und vor negativen Energien schützen sollen. Grundwissen über verschiedene ayurvedische Öle und dem indischen Allheilmittel dem Neembaum – mit dessen Ästen man sich z.B. die Zähne putzen kann – wurde während der Kurses auch vermittelt. Lebenswichtige Infos wie, dass es in dem Fluß in dem wir am ersten Tag schwimmen waren große Krokodile gibt, gab es gratis dazu. Abschließend habe ich mein Zertifikat mit der Note A bekommen. ;-) Ob es irgendwann mal nützlich für mich sein wird zertifizierter Ayurvedamasseur zu sein wage ich zu bezweifeln. Ein nettes Andenken ist das Zertifikat aber bestimmt – falls es die Reise übersteht.

Der Monsun ist uns dicht auf den Fersen …

(25.04.09)

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