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Jodhpur – Rajasthan (Die blaue Stadt)

17 Mai

MehrangarhDer Sleeperbus nach Jodhpur hatte definitiv die kleinsten Schlafabteile in denen ich bisher versucht habe zu schlafen. Um 5 Uhr morgens am Ziel angekommen, war sofort klar, dass es hier heißer als in Udaipur werden wird. Der Rikschafahrer der uns direkt vor dem Bus in Empfang nahm zeigte uns zuerst ein überteuertes Hotel welches sich im Besitz der näheren Verwandtschaft befindet. Da wir uns trotz gebündelter Überredungskünste von seiner Familie und ihm nicht davon abbringen ließen noch Zimmer in einem anderen Hotel anzusehen, fuhr er uns widerwillig ins Hotel der entfernten Verwandtschaft.

Nach längeren Preisverhandlungen entschieden wir uns, zu dem mit der Zeit annehmbaren Preis, im Hotel zu bleiben. Wir setzten uns samt Rikschafahrer für einen Café ins hoteleigene Restaurant auf dem Hausdach und genossen die über dem blauen Jodhpur aufgehende Sonne und den Ausblick auf die riesigen von der Morgensonne angestrahlte Festung Mehrangarh.

Schläfer in der blauen StadtUrsprünglich war an der blauen Farbe der Häuser zu erkennen, dass der Bewohner der Priesterkaste den Brahmanen angehörte. Die Kupfersulfat enthaltende Farbe hatte sich aber als gutes Mittel gegen Termiten, Moskitos und anderes Ungeziefer bewährt, weshalb heute auch Angehörige anderer Kasten blaue Häuser bewohnen.

Als Marco kurz nach unten ins Zimmer gegangen war, hatte es der Rikschafahrer plötzlich ziemlich eilig. Ich bezahlte die Fahrt und er sprintete nach unten. Wenig später hörte ich ihn mit Marco sprechen, aber zu leise um es zu verstehen. Ich brauchte einen Augenblick bis es Klick machte und zu Marco runter rief, dass ich schon gezahlt habe. Leider zu spät. Der Abzocker hatte nochmal bei Marco abkassiert und war schon unterwegs zu seiner Rikscha.

Das Hotel war eines der höchsten Gebäude der Umgebung und so konnten wir miterleben wie Jodhpur erwachte. Die Hausdächer waren voller Menschen die vor der über den Tag angestauten Wärme auf die Dächer flohen um sich von der nächtlichen Frische in den Schlaf helfen zu lassen. Die aufgehende Sonne kitzelte nun alle wach, sodass sie überall anfingen sich zu räkeln und zu strecken um den neuen Tag zu begrüßen.

Mehrangarh - der Weg in die FestungMein Zimmer wurde erst gegen 13 Uhr frei. Um diese Zeit hatte es 47°C und ich war sehr froh einen sogenannten Aircooler im Zimmer zu haben. Trotz des Riesenlärms den er verursacht, habe ich den hässlichen Kasten zu schätzen gelernt. Innerhalb des Blechwürfels befindet sich ein großer lauter Rotor der die feuchte Kälte des nach oben gepumpten Wassers, welches verdunstend über fein verästelte Fäden an den Außenwänden des Würfels den Weg zurück ins Reservoir sucht, in den Raum bläst – einfach aber effektiv.

Keinesfalls durften wir uns einen Besuch der alten Festung Mehrangarh entgehen lassen. Kaum vorstellbar, dass jemand auch nur mit dem Gedanken gespielt hat diese mächtige Festung auf seinem 123 m hohen Felsen thronend, zu stürmen.

Nach dem Audiorundgang der über Kopfhörer sogar in deutsch angeboten wurde, hatten wir fürs Erste genug von der Geschichte der kriegerischen Königssöhne, den Rajputen, die immer bis zum bitteren Ende kämpften und vor einer bevorstehenden Niederlage sogar ihre Frauen verbrannten, damit sie nicht in die Hände der Feinde fielen. Die Rajputen haben mich bis auf die Frauenverbrennungen stark an die Klingonen aus Star Trek erinnert. Möglicherweise hat sich Gene Roddenberry hier für seine angriffslustige Kriegerrasse inspirieren lassen.

Ganz die MamaWir wendeten uns wieder weltlichen Dingen zu und suchten einen Cam-Doktor für Marcos Montagskamera die mal wieder Probleme machte. Zu meinem Glück fanden wir auf der Suche nach einem neuen Akku, der die Fehlfunktion behob, nicht nur diesen, sondern auch eine günstige Plug&Play-fähige Webcam inklusive Headset. Mit Webcam, Headset und meinem USB-Stick auf dem eine portable Version von Skype installiert ist, kann ich jetzt in jedem Internetcafé, unabhängig von deren Ausstattung, sehr günstig übers Internet telefonieren oder Videoanrufe führen.

Nachdem wir das angeblich größte in privater Hand befindliche Gebäude, den Umaid-Bhawan-Palast mit seinen 347 Räumen, leider nur von außen ansehen konnten weil wir außerhalb der Öffnungszeiten dort waren, haben wir uns zum Basar fahren lassen, in dessen Zentrum ein anderes Wahrzeichen der Stadt heraussticht. Der Glockenturm, an dem unschwer die vergangene englische Kolonialherrschaft zu erkenne ist, will sich nicht wirklich in das bunte Treiben des ansonsten typisch indischen Marktes einfügen.

BasarAuf diesem Basar befinden sich wahrscheinlich mehr Gewürzhändler als auf jedem Anderen in Indien. Jedenfalls wird man alle paar Sekunden von Verkäufern angesprochen die versuchen Gewürzmischungen und vor allem Safran, natürlich zu einem Freundschaftspreis, an den Mann oder die Frau zu bringen. Wenn Du erwähnst, dass der Safran des anderen Händlers preiswerter wäre, erwidert dieser, echter Safran würde unmöglich zu einem solchen Preis verkauft und es handle sich mit Sicherheit um eine Fälschung.

Er zeigt Dir, wie die Händler zuvor auch, den Test mit dem man angeblich, echten Safran von Falschem unterscheidet. Er nimmt ein paar Safranfasern und tunkt sie in einen Tropfen Wasser. Angeblich handelt es sich um echten Safran wenn sich das Wasser dunkelgelb verfärbt. Die Frage – warum ein listiger Betrüger nicht auf die Idee kommen sollte einen Farbstoff für seinen falschen Safran einzusetzen der sich ähnlich verhält, konnte mir bisher noch kein Händler plausibel beantworten. Den zuvor “unmöglichen” Preis bekommst Du normalerweise auch dort – spätestens wenn Du andeutest weiter zu gehen.

(17.05.09)

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