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Mumbai – Bombay – Maharashtra (Cheater)

06 Mai

SleeperbuskabineIm Gegensatz zu den letzten Sleeperbussen waren die Kabinen diesmal für einen ausgewachsenen Mann groß genug. Zudem war es diesmal möglich Einzelkabinen zu reservieren. Ich lag ganz hinten im Bus und hatte so die gesamte Breite des Busses für mich zur Verfügung. Der Nachteil an diesem Platz war, dass es mich bei jeder kleinen Bodenwelle wie auf einem Sprungbrett nach oben schleuderte und die Gravitation danach ihr Bestes tat mich nicht unbedingt sanft wieder herunterzuholen.

Da der gesamte indische Verkehrsfluss ausschließlich mit Bodenwellen in den unterschiedlichsten Varianten geregelt wird, kam ich mir zwischendurch vor wie in einer Schwerelosigkeitskammer. An schlafen war während der 17 1/2 Stunden Fahrt nur minutenweise zu denken.

InderGegen 11:30 Uhr in Mumbai angekommen haben wir uns auf den Weg gemacht Zimmer zu suchen. Verschiedene Hiwis haben sich angeboten uns bei der Zimmersuche zu helfen. Anfangs sind wir darauf eingegangen. Nachdem die versprochenen Zimmer aber nicht zum vorgegebenen Preis vorhanden waren und sie für jedes Zimmer das sie uns vermitteln, Provision bekommen würden die am Ende wir bezahlen müssten, haben wir versucht sie abzuschütteln. Da wir sie zu Fuss trotz übelster Beschimpfungen und Besuchen in Cafes nicht loswerden konnten, haben wir uns ein Taxi zur nächsten Häuserecke genommen. Vom Regen in die Traufe hat der Taxifahrer auch gleich versucht uns abzurippen. Man darf sich nur nichts gefallen lassen. Nach meinem Aufstand mussten wir nur noch den Mindestbetrag zahlen.

Schaffe, schaffe, Häusle baueGegen 17:30 sind wir dann endlich fündig geworden. Ein Doppelzimmer für richtig teure 840 INR mit Gemeinschaftsbad war das Beste was wir für heute auftreiben konnten.

Am zweiten Tag wurden wir von einem Typen angesprochen der von seiner Firma in London erzählt hat zu der er Geld transferieren möchte. Das Problem ist, dass er wenn er das Geld direkt nach England mitnehmen wollte – 50% Steuern zahlen müsste. Um das zu umgehen sucht er nach Touristen die in seinem Shop in Indien – der den gleichen Namen trägt wie der in London – mit Travellerschecks einkaufen, die er dann später direkt in London einlösen kann. Das Geld für die Travellerschecks bekämen wir von ihm. Außerdem würden wir für den Dienst 20% des Wertes in Bar bekommen. Für den ersten Einkauf wären das bei 1000 $ – 200 $ für uns. Insgesamt können pro Monat 10 000 $ Travellerschecks eingetauscht werden. 2000 $ extra für jeden von uns wäre für die Reisekasse nicht das Schlechteste.

LuxusapartmentDas Ganze hat sich eigentlich von Anfang an zu gut angehört. Nachdem er dann aber von uns wollte, dass wir seinem Onkel dem Geldgeber zeigen, dass wir selbst Geld haben und wir keine armen Schlucker sind die einfach mit seinem Geld verschwinden, sind die Alarmglocken losgegangen. Als er dann noch wollte, dass ich Marco mein Geld gebe und vor Thomas Cook warte bis sie mit dem Geld von seinem Onkel wieder zurück sind, habe ich die Aktion abgebrochen. Angeblich wollte er kein Aufsehen mit zwei Europäern bei seinem Onkel erregen. Wahrscheinlich wäre Marco samt Geld in irgendeinem Slum verschwunden.

Nach langer stressiger Suche haben wir ein neues günstigeres Hotelzimmer gefunden. Es hat ca. die Masse 3m x 3m, hat keine Fenster und ist total versifft. Klimanlage und TV (nur indische Sender) sind vorhanden. Für einen Tag wird es reichen.

Hotel Taj MahalAm Vorletzten Abend waren wir am Gate of India und danach im sehr noblen daneben liegenden Taj Mahal Hotel das traurige Berühmtheit durch den Terroranschlag 11/08 erlangt hat. Nachdem wir drei Sicherheitschleußen überwunden hatten, konnten wir das prachtvolle Innere des Hotels bewundern.

Auf dem Heimweg hat mich ein kleines Mädchen mit Baby auf dem Arm angebettelt. Sie wollte Milch für den Kleinen. Wie ich den Kleinen gesehen habe wurde ich schwach und habe mich zu dem Laden führen lassen, in dem es die Milch zu kaufen gibt. Das Milchpulver war megateuer und ich habe sie gebeten mich in einen Laden zu bringen in dem das Milchpulver möglicherweise günstiger ist. Unterwegs habe ich zwei Teppichändlern die Situation erklärt und gefragt wo ich am günstigsten Milchpulver bekomme bzw. was ich alternativ tun könnte. Die Teppichhändler meinten, dass das Ganze eine Masche wäre. Die Kleine bringt das Milchpulver später wieder zum Laden zurück und die Beiden teilen sich das Geld. Falls ich das Pulver kaufe sollte ich auf jeden Fall ein Loch in die Verpackung stoßen. Sie würden mir aber raten der Kleinen einfach ein paar Rupies in die Hand zu drücken. Das habe ich dann auch getan und habe sie versprechen lassen etwas für den Kleinen zu besorgen. Das Versprechen ist sicher keinen Pfifferling wert, irgendwie hat es mich aber trotzdem beruhigt.

DoppelstockbusDanach hatten wieder die Taxifahrer versucht uns abzurippen. Für den Hinweg haben wir 15 INR bezahlt. Für den Rückweg wollten sie zwischen 50-300 INR. Zum Schluss sind wir für 4 INR mit dem Bus gefahren.

Am letzten Tag haben wir uns in ein Stadtviertel fahren lassen in dem es eine der berühmten großen Wäschereien gibt in der die Wäsche von dutzenden Leuten mit der Hand gewaschen werden. Bewundernswert wie sie es schaffen den Überblick zu behalten und die Klamotten wieder dem richtigen Kunden zurück zu geben. Der Gegensatz könnte nicht viel größer sein – die Wäscherei grenzt direkt an ein Slum am Meer dessen Küste als Müllhalte dient.

WäschereiGegen 18:00 ging unser Bus nach Udaipur. Bevor wir losgefahren sind haben wir uns noch die Gegend um den Busbahnhof angesehen. Rotlichtmilieu und Markt. Der Markt war sowas von ekelerregend, dass Leute mit schwachem Magen sich bestimmt regelmässig übergeben bevor sie es schaffen den Markt zu passieren. Alte stinkende Tierkadaver neben Waren die zum Verkauf angeboten wurden. Gedärme und Organe lagen auf den Tresen als hätte Alien gerade darin gewütet. In einer extrem widerlich stinkenden Ecke standen große Boxen mit Tierkadavern in denen sich Krähen die besten Stückchen rauspickten. Direkt dahinter befand sich ein Condomautomat. Wer hier geschützten Verkehr haben will muss es schon bitter nötig haben um sich nicht die Stimmung verderben zu lassen.

Mumbai ist eine riesige pulsierende Stadt mit ca. 20 Millionen Einwohnern die irgendwie versuchen Geld zu machen. Viele aufdringliche aber auch viele nette Leute. Für mich eindeutig die Stadt der Betrüger.

(06.05.09)

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