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Udaipur – Rajasthan (James Bond 007 Octopussy)

10 Mai

VerkehrsmittelDie Fahrt im Sleeperbus nach Udaipur war wieder eine Tortur. Das Doppelbett, das ich mir mit Marco teilte war zwar etwas breiter als in der letzten Doppelsleeperette aber leider genauso kurz. Wir waren eigentlich der Meinung uns etwas Gutes zu tun uns einen Klimaanlage ausgestatteten Bus zu gönnen. Da unser Sleeperabteil aber einige offene Ritze zum Klimaanlagenkreislauf aufwies, die in den Konstruktionsplänen sicherlich nicht so vorgesehen waren, wurden wir während der 17 Stunden Fahrt von den eigenen immer wiederkehrenden Bibbergeräuschen und Zähneklappern wach gehalten. Die ständige Huperei des Busfahrers und der überholenden Fahrzeuge sowie die regelmäßig auftretenden Bodenwellen konnten auch nur bedingt von der Kälte ablenken. Ein weiterer Nachteil des Klimabusses war, dass sich die Fenster weder zum Sauerstoffaustausch noch zur Temperaturanpassung öffnen ließen. Uns war jedenfalls schon lange vor der Ankunft in Udaipur klar, dass wir in Zukunft auf das Komfortmerkmal “Aircondition” in Bussen verzichten werden.

Trockener SeeIn der Zeit des Verhandlungsgesprächs mit dem Rikschafahrer der uns direkt vor dem Bus in Empfang nahm und der anschließenden Fahrt zum Guest House seines Cousins, genoss ich wie nur selten, das Gefühl der Wärme die den kalten, steifen Gliedmaßen wieder Leben einhaucht und den Körper von einer Art Winterschlaf befreit.

Während ich mein neues Zimmer in Augenschein nahm konnte ich meine Begeisterung dafür kaum bis zum Ende der Preisverhandlungen bändigen. Die Zurückhaltung und etwas Verhandlungsgeschick haben sich aber wieder mal ausgezahlt. Für einen Spottpreis bewohne ich ein Zimmer, welches den Eindruck erweckt direkt aus einem Tausendundeine Nacht Märchen entliehen zu sein. Der sagenhafte Blick vom breiten mit großen Kissen ausgestatteten Fenstersims auf den See, in dessen Zentrum sich der Lake Palace befindet, für den Udaipur berühmt ist, intensivieren das Gefühl – Besucher in einem orientalischen Märchen zu sein noch mehr. Obwohl der See wegen der lang anhaltenden Hitze zum Teil ausgetrocknet ist und sich dort Wasserbüffel, Kühe, Hunde und spielende Kinder tummeln, ist die Atmosphäre bezaubernd.

MonsterWie in vielen anderen Märchen gibt es auch in diesem – Monster die den rechtschaffenen Märchenbewohnern das Leben schwer machen. Abends – glücklich über die Umstände auf meinem Bett liegend um die Gedanken des Tages in meinem Tagebuch zu verewigen, nehme ich aus dem Augenwinkel einen Schatten war der auf mich zu huscht. Wahrscheinlich vom Hunger getrieben hat sich eine kleine Wanze aus ihrem Versteck gewagt bevor das Licht gelöscht wurde. Im Bruchteil einer Sekunde katapultierte ich meinen von der Bussfahrt strapazierten Körper in Abwehrstellung und machte ihr den Gar aus. ;-) Der obligatorische Rundumblick verriet, dass es sich hierbei nicht um einen Einzeltäter sondern um einen großangelegten Wanzenangriff handelt. Nachdem der brutale Kampf ausgefochten und sichergestellt war, dass ich der einzige Überlebende der blutigen Schlacht war, beschloss ich zum Schutz vor einer möglichen Nachhut meinen Seidenschlafsack zu benutzen und am nächsten Tag schweren Herzens mein Märchenzimmer zu verlassen.

Dream Heaven DachterasseAm darauffolgenden Tag bezog ich wie Nachts geplant ein anderes Zimmer im selben Hotel. Das Zimmer war kleiner und nicht ganz so schön wie das Vorherige. Da es zudem auch noch Meinungsverschiedenheiten mit dem Vermieter gab, sind wir am Tag darauf ins Dream Heaven umgezogen, welches keine 300m entfernt lag, schöne, saubere und auch noch günstigere Zimmer im Angebot hatte. Zudem war das Personal sehr freundlich, und die Dachterasse auf der ich in den nächsten Tagen viel Zeit verbrachte, bot einige gemütliche Sitz.- und Liegegelegenheiten mit einzigartiger Aussicht unter anderem auf den gewaltigen City Palace der mit seiner 244m langen Fassade und einer Höhe von über 30m Rajasthans größter Palast ist.

WassermangelEs wird von Tag zu Tag heißer. Das Thermometer zeigt 43°C und man spürt, dass die Leute hier den Monsun, der kühlere Temperaturen und vor allem den wichtigen Regen bringen soll kaum erwarten können.

Die Nächte verbringe ich jetzt häufig auf der Dachterasse. Die leichte Brise dort oben macht die warmen Nächte erträglicher. Außerdem ist es einfach herrlich unterm freien Himmel einzuschlummern.

Mauer in UdaipurTrotz der Hitze haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind ein wenig in Udaipur rumgekurvt. Die Drahtesel machten den Eindruck aus einer Zeit zu stammen, kurz nachdem jemand auf die Idee kam Pedale an eine Draisine zu bauen. An Ergonomie oder eine Schaltung hatte bei der Konstruktion noch niemand gedacht und die Einheitsgröße sowie die Lenkerform macht das Lenken für Personen über 1,80m je nach Position der Knie zu einer unmöglichen und schmerzhaften Angelegenheit. Zum Trost sehen diese Old School Bikes wenigstens absolut stylisch aus.

ThaliUnser Ziel war ein Restaurant in der Nähe des Bahnhofs in dem es angeblich das weltbeste Thali geben soll. Mit der glühenden Mittagssonne im Nacken war ich ganz froh das Restaurant trotz gelegentlicher Lenkschwierigkeiten und Linksverkehr wohlbehalten erreicht zu haben. In dem Restaurant gab es ausschließlich Thali und dieses war in jedem Fall einzigartig. Es handelte sich dabei um ein “all you can eat” Thali. Ständig sind kleine Inder wie die Heinzlmännchen vorbeigehuscht um die Schälchen mit den unterschiedlichen Zutaten aufzufüllen oder verschiedene Brote nachzulegen. Optik und Service waren aller erste Sahne – geschmacklich konnte es leider nicht ganz überzeugen. Gelohnt hat sich die Show aber in jedem Fall.

Kinder aus UdaipurImmernoch auf der Suche nach einem Internetcafe mit Skype und Webcam, bin ich auf dem Rückweg auf ein Vielversprechendes gestoßen. Auf einem der Rechner war Skype installiert und die Frau des Besitzers war fest davon überzeugt irgendwo eine funktionierende Webcam zu haben. Nach langer Suche brachte sie mir sichtlich erleichtert die Webcam mit einem triumphierenden Grinsen im Gesicht. Ich schloss die Webcam am PC an und – nichts passierte. Die Webcam ist ohne Installation der passenden Treiber nicht lauffähig. Die Suche ging also wieder von vorne los. Die ganze Familie suchte nach der vermissten Treiberinstallations-CD. In der Zwischenzeit suchte ich im Internet nach einer passenden Treibersoftware. Es ist gar nicht so einfach Treiber für eine indische NoName-Webcam zu finden. Schlussendlich wurden wir auf einem Rechner fündig an dem die Webcam vor langer Zeit mal angeschlossen war. Während ich die Software von einem Rechner zum Anderen transferierte und die Installation startete, sah ich wie die Familie sich mit einem großen Sack auf dem Weg ins Hinterzimmer abmühte. Der Vater auf der Einen, Mutter und Tochter auf der anderen Seite.

SonnenuntergangGentleman wie ich bin, sprang ich natürlich sofort auf und nahm den Platz der beiden Frauen ein. Ich hob den Sack mit unbekanntem Inhalt an und – da war es wieder – mein Stechen im Rücken. Mit dem Gefühl die Aufgabe des Titanen Atlas übernommen zu haben während ein Dolch in meinem Rücken steckt, schleppte ich den Sack mit dem Vater der Familie ins Hinterzimmer. Unterdessen versuchte ich mein gezwungenes Lächeln nicht allzu künstlich aussehen zu lassen und fragte mich wie es den beiden zierlichen Frauen überhaupt möglich war den Sack anzuheben. Eines muss man den indischen Frauen wirklich lassen – sie schrecken auch vor den schwersten Arbeiten nicht zurück. Egal ob im Straßenbau, auf der Baustelle oder im privaten Bereich – überall wo körperlich hart gearbeitet wird, sind indische Frauen anzutreffen die oft Arbeiten unter Bedingungen verrichten unter denen mancher Mann einknicken würde – meinen größten Respekt dafür.

City PalaceAls der Sack am vorgesehenen Platz stand widmete ich mich wieder dem Webcamtreiber. Nach erfolgreicher Installation der Software musste ich feststellen, dass die Hardware defekt war und die Webcam nur noch ein matschig-unscharfes Bild übermittelte. Ich fasste den Entschluss mir eine eigene Webcam zu kaufen um mir zukünftig die Zeit für solche Aktionen und die Suche nach webcamausgestatteten Internetcafes zu sparen. Wie ich dem Internetcafebesitzer mein Vorhaben mitgeteilt habe, erklärte er mir, dass es in ganz Udaipur keinen Computerladen gebe in dem man Webcams kaufen könne, er aber einen Freund habe der Computerartikel verkaufe und mit dem er gerne ein Treffen für mich organisieren würde. Gesagt getan – am nächsten Tag traf ich mich mit seinem Freund um mir die von ihm angebotenen Webcams anzusehen. Leider hatte er keine Plug and Play fähige Webcam im Angebot und da ich nicht in jedem Internetcafe vor Inbetriebnahme der Webcam, Treiber installieren will und darf, entschied ich den Kauf erst mal zurück zu stellen.

James Bond 007 OctopussyAbends waren Marco und ich noch im Highest Rooftop Restaurant Udaipurs. Die Aussicht auf die nächtliche Skyline mit den wunderschön beleuchteten Palästen und Prachtbauten die sich teilweise im See widerspiegeln ist hier Nebensache. Hier geht es um wichtigeres – es geht um die Interessen der englischen Krone. Genauer gesagt wird hier jeden Abend Geheimagend James Bond (007) im Film Octopussy aktiv. Der Film spielt zum Großteil in Udaipur und wird deshalb täglich in diesem und in anderen Restaurants der Stadt gezeigt. Seit der Film 1983 gedreht wurde hat sich hier erstaunlich wenig geändert. Vermutlich sind sogar noch einige Rikschas unterwegs die im Film zu sehen sind. Geniale Geschäftsidee den Film regelmäßig zu zeigen. Ein paar 007 interessierte Touris finden sich immer die mal wieder einen gemütlichen Abend vor der Glotze verbringen wollen.

Monsun-PalastImmernoch auf der Suche nach schönen Postkarten, ist das Angebot in Udaipur leider ähnlich enttäuschend wie in den Städten zuvor. Die meisten erhältliche Karten machten den Eindruck uralt zu sein, waren vergilbt, von der Sonne ausgeblichen, hatten Eselsohren und die Motive waren äußerst einfallslos oder veraltet. Unverständlich in einem Land das vor schönen und ausgefallenen Motiven nur so strotzt.

Zum ersten Mal in Indien habe ich einen Friseur besucht. Ich hatte den Eindruck, dass er mir eine typisch deutsche Frisur verpassen wollte und war heilfroh keinen Bart zu haben den er mir zum passenden Schnauzer hätte stutzen können. Geradezu genial war die im Preis inbegriffene Kopfmassage die unbeschreiblich belebend war und mich ein wenig über mein sehr kurzes Haupthaar hinwegtröstete.

Es gibt hier richtig tolle Fruchtshakes und Früchte mit Eis. Pürierte Mango mit Vanilleis gemixt ist der Hammer. Ich hätte mich reinlegen können. Meine Absolute Empfehlung für heiße Sommertage.

Maedels die den Sonnenuntergang geniesenBevor wir Udaipur in Richtung Jodhpur verlassen, wollten wir unbedingt einen der berühmten Sonnenuntergänge vom Monsun-Palast (Sajjan Garh) aus erleben. Es war ein hinreißender Sonnenuntergang der nur ein wenig dadurch getrübt war, dass sich der Palast auf einem Berg innerhalb eines Parks befand für den Eintritt entrichtet werden musste und sich der Preis für den Besuch des Palastes dadurch verdoppelte. Insgesamt mussten wir pro Person umgerechnet 2 Euro hinblättern – was für indische Verhältnisse nicht wenig ist. Da der Preis aber für europäische Verhältnisse durchaus noch erträglich ist, hielt die trübe Stimmung nur sehr kurz an und wir konnten den ausklingenden Tag auf dem Monsun-Palast trotzdem noch richtig genießen.

Mein selbstloser Atlasdienst im Internetcafe hatte jetzt auch einen Vorteil für uns. Der Internetcafebesitzer verkaufte uns die Fahrkarten nach Jodhpur zum Selbstkostenpreis und wir hatten ein Paar Rupies mehr die wir beim Abendessen auf den Kopf hauen konnten.

(10.05.09)

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  1. holle43

    4. September 2011 at 01:11

    die zwei euro sind der wahnsinn , würde mich auch aufregen