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Wieder im “richtigen” Indien

31 Aug

Verglichen mit der 27stündigen, holprigen und halsbrecherischen Fahrt von Leh nach Manali waren die 17 Stunden nach Rishikesh fast angenehm. Der Bus erreichte Chandigarh gestern gegen 4:30 Uhr im strömenden Regen weshalb ich ohne die geplante Stadtbesichtigung direkt den “local bus” nach Haridwar nahm.

Ich stieg in den Bus und hatte freie Platzwahl da ich der erste anwesende Passagier war. Die Freude über die geräumige Sitzbank hinter dem Fahrer, auf der ich mich breit machen konnte und die sogar genügend Platz für meinen Rucksack im Fußraum bot, war nicht von Dauer.

Gleich der zweite Passagier betrat den Bus über die hintere Tür, kam aber direkt vor zu mir und setzte sich neben mich. Er packte ein paar Süßigkeiten aus, die er mir auch gleich rüber streckte und dabei äußerte – falls ich etwas benötige wie z.B. Tee, Essen oder Sonstiges solle ich ihm Bescheid geben er würde sich darum kümmern. Außerdem erklärte er, dass er sich liebend gerne mit Ausländern unterhält – doch falls ich keine Konversation wünsche ihm dies bitte mitteilen solle.

Ich lehnte sein Speißeangebot dankend ab, erwiderte wunschlos glücklich zu sein und teilte ihm mit, dass er leider auf eine umfangreiche Unterhaltung mit mir verzichten müsse, da ich die ganze Nacht unterwegs war und jetzt die Augen schließe um ein wenig zu dösen. Scheinbar ist mein Englisch immernoch zu schlecht – jedenfalls hat er so getan als hätte es meine letzten Worte nicht gegeben und mich trotz meiner geschlossenen Augen mit Fragen gelöchert bis meine Antworten immer spärlicher wurden und er sich dann irgendwann klammheimlich verzog um ein neues Opfer zu suchen.

Kurz darauf hielten wir einige Male um neue Mitreisende einzusammeln. Ich habe selten so viele runde “Wohlstandsinder” auf einem Haufen gesehen wie in diesem Bus. An ihrer Leibesfülle gemessen waren die beiden Inder die neben mir Platz nahmen nicht minder wohlhabend als die oberen 10% des Busdurchschnitts.

Übel war, dass die 3 Personen-Sitzbank auf der wir saßen nur ein paar cm größer war als eine europäische 2 Person-Sitzbank und ich mir vorkam wie eine Ölsardine in einer Dose, in die sich zwei Wale verirrt haben.

Mein Sitznachbar hatte keine großen Berührungsängste und so fühlte ich, als er einschlief und immer weiter in meine Richtung kippte, wohl durch den hohen Anpressdruck, kaum noch wo mein Körper aufhörte und seiner anfing.

Trotz allem spürte ich beim Blick aus dem Fenster und dem Anblick der immer üppiger werdenden Vegetation, eine unbändige Freude wieder im “richtigen Indien” zu sein.

Leh, welches den Eindruck erweckte man wäre mitten in Tibet oder Manali und Dharmshala welche so alpenähnlich waren, dass es nicht verwundert hätte wenn der Almöhi vorbeigekommen wäre um seine Heidi zu suchen, waren absolut herrlich, aber nicht das was ich mir unter dem typischen Indien vorstelle.

Nach ca. 5 Stunden Ölsardinen-Fahrt in Haridwar angekommen, ging es von dort aus, nach einem kleinen Frühstück, mit einem anderen “local bus” weiter nach Rishikesh. Dort hatte ich das Glück auf eine Gruppe Israelis zu treffen mit denen ich mir eine Rikscha zur Weiterfahrt teilen konnte.

In Rishikesh fand ich eines dieser kleinen, unscheinbaren, indischen Restaurants die ich in Indien schätzen gelernt habe, trinke dort mit Indern meinen Chai, esse mein 30 Rupie Thali bei dem nachgeschöpft wird und sehe den Kurzeit-Touris zu die hier vorbei laufen ohne dieses Etablissements auch nur eines Blickes zu würdigen. Zugegebenermaßen sieht es ein wenig nach heruntergekommener Garage aus. Trotzdem sitze ich glücklich hier mit dem gleichen freudigen Gefühl wie auf der Fahrt hierher. Gleichzeitig aber werde ich von einer Art Wehmut ergriffen da mir bewusst wird, dass mein 6-Monats-Visum in 2 Wochen abläuft und ich Indien spätestens bis dahin verlassen muss.

5 Monate in Indien sind eine gute Zeit um sich Appetit zu holen, aber lange nicht genug um satt zu werden. Schon wieder habe ich mich beim Gedanken erwischt, einfach nach Nepal zu fahren, aber diesmal nicht wie vor drei Monaten mit dem Gedanken Indien schnellstmöglich zu verlassen, sondern um mit einem neuen Indien-Visum wieder zurück zu kommen …

 
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